Antidiskriminierungsberatung Alter, Behinderung, Chronische Erkrankung

Ein Projekt der Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e.V.





NEUES AUS DER  ANTIDISKRIMINIERUNGS-ARBEIT




Newsletter Nr. 3 | Mai 2022   

Sprache als Diskriminierungsmerkmal und als Herausforderung und Umsetzungsaufgabe in der Antidiskriminierungsarbeit - Schwerpunkt: Deutsche Gebärdensprache.

Liebe Leser:innen, 

Im Fokus dieses ersten Newsletters in 2022 werden ausgewählte Aspekte des Themas Sprache als Diskriminierungsmerkmal und insbesondere als Herausforderung und Umsetzungsaufgabe in der Antidiskriminierungsarbeit stehen. Dabei widmen wir uns vor allem der Deutschen Gebärdensprache.

Wir bedanken uns für Ihre Anmeldungen zum Newsletter und Ihr Interesse an unserer Arbeit.

Herzliche Grüße vom Team der Antidiskriminierungsberatung Alter, Behinderung, Chronische Erkrankung
Ein gezeichnetes Haus mit dem Schild "ADB"

 



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SPRACHE UND ANTIDISKRIMINIERUNG: WAS UNS BEWEGT UND WAS WIR BEWEGEN MÖCHTEN




Sprache als Diskriminierungsmerkmal

Sprache ist fester Teil menschlicher Kommunikation und prägt und organisiert unseren Lebensalltag in jedem Beziehungszusammenhang.
  • Durch Sprache teilen wir Informationen, Wissen und Erfahrungen und geben unserer Welt Bedeutungen.
  • Es gibt viele verschiedene Sprachen auf der Welt.
  • Sprachen haben viele unterschiedliche Funktionen und Kommunikationsformen.
  • Sprache kann Menschen verbinden, wenn wir uns durch eine gemeinsame Sprache und Kommunikationsform zu einem Thema verständigen können.
  • Sprache kann Barrieren für Menschen und auch Herausforderungen mit sich bringen.
  • Dies besonders, wenn wir in eine Situation geraten, wo wir keine gemeinsame Sprache oder Kommunikationsform zur Verfügung haben, um uns mitzuteilen und zu verständigen. 
 

All diese Aspekte von Sprache beschäftigen uns auch in der Antidiskriminierungsberatung.


Im Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) wurde Sprache, neben weiteren neuen Diskriminierungsmerkmalen im § 3 Geltungsbereich mit aufgenommen.

Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hingegen ist das Merkmal Sprache (noch) nicht extra aufgeführt (§ 1 AGG), wobei Sprache im Hinblick auf etwa die Merkmale ethnische Herkunft oder Behinderung im Einzelfall Beachtung finden kann.
Mehr zu Sprache im LADG



Das Merkmal Sprache: Herausforderungen für die ADB Berlin

Wo stehen wir
Die Antidiskriminierungsberatung Alter, Behinderung, Chronische Erkrankung ist in Berlin und auch bundesweit die einzige Beratungsstelle mit diesen Schwerpunktmerkmalen.
Unser Angebot wird stetig weiterentwickelt und insbesondere in Hinblick auf Barrierefreiheit und die Zugänglichkeit für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen und Bedarfen fortwährend optimiert. 
Wir erhoffen uns dadurch auch diejenigen zu erreichen, die aufgrund ihrer Behinderung einen erschwerten Zugriff auf Informationen und Beratungsangebote haben. 

Aktuelle Themen
  • Im Fokus steht aktuell der Umbau der Webseite der ADB im Hinblick auf die verbesserte Zugänglichkeit und Barrierefreiheit. Die ADB befindet sich im Prozess zum Erwerb des Alpha-Siegels. Dazu gehört auch, Informationen auf der Webseite in Leichter Sprache bereitzustellen.
  • Weitere Informationen zum Alpha-Siegel-Prozess, bei dem die Zugänglichkeit der Einrichtung für Menschen mit Lese- und Schreibschwächen errreicht werden soll.
    TIPP: Online-Fortbildung am 15.6.2022 u.a. zum Alpha.Siegel (siehe unten)
  • Ein weiteres aktuelles Thema ist den Bedarfen gehörbeeinträchtigter und tauber Menschen (im Weiteren zusammengefasst in „taube“) durch die Bereitstellung von staatlich anerkannten Gebärdensprachdolmetscher:innen in der Beratungsarbeit gerecht werden




NEU ZUM THEMA SPRACHE BEI DER ADB

Angebot in Englisch und Polnisch
Informationen zur Beratung der ADB finden Sie jetzt auch in Englisch und Polnisch.
In beiden Sprachen bieten wir auch Beratungen an.
FLYER IN ENGLISCH | POLNISCH (PDF)
Erklärfilm in Leichter Sprache
Ende letzten Jahres haben wir einen Erklärfilm veröffentlicht, der unser Angebot in Leichter Sprache vorstellt:

ZUM FILM





GEBÄRDENSPRACHE: BEDARFE IN DER BERATUNGSARBEIT




Gebärdensprache ist Alltagssprache

Es ist offenkundig, dass taube Menschen einen speziellen Bedarf haben, um eine barrierefreie Kommunikation sicherzustellen. Für sie ist Gebärdensprache ihre Muttersprache. Diese Sprache beinhaltet eine eigene Systematik in Hinblick auf Vokabular, Grammatik und Syntax, die nicht 1:1 mit Schriftsprache vergleichbar und wiederzugeben ist. Schriftsprache stellt somit oft eine große Hürde für taube Menschen dar. Einige betrachten Schriftsprache sogar als eine Art Zweitsprache, die sie mühsam erlernten und in der sie sich nicht „Zuhause fühlen“. Zudem kann die Beherrschung der Schriftsprache nicht einfach vorausgesetzt werden.

Bereits im Jahr 2020 haben wir begonnen unser Beratungsangebot für taube Menschen inklusiv auszurichten. Angefangen mit einem Film in Gebärdensprache zur Vorstellung unserer Beratungsstelle haben wir zusätzlich einen direkten Kontakt zur Zielgruppe gesucht und uns mit dem Träger Sinneswandel e.V. vernetzt, mit dem seit 2021 eine feste Zusammenarbeit besteht. Zusätzlich sind wir in einem engen Austausch mit der Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung (LADS Berlin) über Bedarfe bei der inklusiven Ausrichtung der Antidiskriminierungsarbeit und beraten uns regelmäßig. 
Durch diese Bemühungen und Kooperationen kommen nun immer mehr taube Menschen als Ratsuchende zu uns. 

Warum eine qualitativ hochwertige Übersetzung unerlässlich ist

Antidiskriminierungsberatung ist als Prozess zu verstehen. Oftmals ist zu Beginn noch nicht klar, wie lange eine Begleitung dauern wird und wieviel Gespräche geführt werden müssen. Dies hängt auch maßgeblich von der diskriminierungsverantwortlichen Seite ab, auf die wir keinen Einfluss haben. Die häufig komplexen sachlichen Inhalte sowie die Tatsache, dass es sich meist um die Schilderung emotional aufwühlender Erlebnisse handelt, unterstreichen die Unerlässlichkeit einer vertrauten Sprache im Beratungsgespräch.
Um dies zu gewährleisten, braucht es die fachliche Expertise und Qualität von staatlich anerkannten Gebärdensprachdolmetscher:innen.
Allerdings ist deren Einsatz mit hohen Kosten verbunden, die vollständig aus den Projektmitteln finanziert werden müssen und für andere Projektmaßnahmen dann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Kosten für Gebärdensprachdolmetschung

  • Der Honorarsatz für Gebärdensprachdolmetscher:innen liegt laut der aktuell gültigen Verwaltungsvorschriften für Honorare im Bereich Sozialwesen (HonVSoz) bei 85 €.
  • In dieser Kostenregelung sind ebenfalls Wegezeiten entsprechend zu vergüten und jeweils angefangene Viertelstunden.
  • Zusätzlich ist eine sogenannte Technikpauschale in Höhe von 18 €/Std. vorgesehen, die zum Beispiel für Online-Beratungen berechnet werden kann.
  • Alle Posten zusammengenommen ergibt sich bereits für eine einstündige Beratung ein Preis von mind. 103 €.
  • Zu berücksichtigen ist, dass in der Regel mehrere Beratungseinheiten pro Fall notwendig werden.
Nicht selten übernehmen Freund:innen oder Angehörige der Ratsuchenden die Rolle der Gebärdensprachdolmetscher:innen, was eine wichtige Hilfe ist, jedoch ist auf diesem Wege keine ausreichende fachliche Qualität sichergestellt.

Sprache im Alltag von tauben Menschen

Das gleiche Problem zeigt sich viel drastischer noch im Alltag von tauben Menschen, denn hier sind sie fast permanent mit Barrieren die Kommunikation betreffend konfrontiert. 

Dazu berichtet ein Ratsuchender, der bei uns in der Beratung war:

» Im Alltagsleben stoße ich auf kommunikative Barrieren, sobald ich mit der hörenden Gesellschaft in Berührung komme und werde somit direkt von der Teilhabe am der Gesellschaft ausgegrenzt - da sowohl die Lautsprache als auch die Schriftsprache in der breiten Gesellschaft vorherrschend sind, z.B. beim Einkauf in einer Bäckerei, wenn ...
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Was Sie als Einrichtung, Organisation oder Verein tun können

Mit der Einführung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) sind grundsätzlich Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen erwirkt worden. Dazu gehört z.B. auch, dass die Leistungen zur Förderung der Verständigung mit der Umwelt, wozu auch Gebärdensprachdolmetschung gehört, ausgeweitet wurden.

So sieht § 82 SGB IX vor, dass Kommunikationshilfen aus „besonderem Anlass“ bewilligt werden, wozu bspw. Kulturveranstaltungen gehören. Allerdings kommt eine Antragstellung oftmals einer langwierigen und kräftezehrenden Prozedur für die betroffene Person gleich. Viele Betroffene warten zum Teil viele Monate auf ein Ergebnis, das dann oftmals nicht den gewünschten und tatsächlichen Bedarfen der Antragsteller:innen entspricht.

Die bürokratischen Hürden sind aus unserer Sicht in diesem Bereich nach wie vor sehr hoch; ferner lässt sich festhalten, dass eine umfassende Sensibilisierung über die Lebensrealitäten tauber Menschen in der Gesellschaft nötig ist. Besonders wichtig erscheint auch die Schulung von Fachkräften in den Leistungsabteilungen des Sozial- und Gesundheitswesens, um Barrieren aktiv abbauen zu können.

Sie könnten z.B.
  • deutlich machen, dass taube und schwerhörige Menschen bei Ihnen willkommen sind
  • in Gebärdensprach-Videos über Ihr Angebot informieren
  • Kontakt mit Organisationen aufnehmen, die diese Information auch in der Gebärdensprach-Community verbreiten können
  • Ihre Mitarbeiter:innen sensibilisieren und informieren
  • einen direkten Kontakt zu tauben Menschen und der Community suchen
  • und vieles mehr...

Mögliche Ansprechpartner:innen und Links
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VERANSTALTUNGEN, NEWS & MEHR




Leichte Sprache, Menschen mit Lese-und Schreibschwächen und das Praxisprojekt: Stadtteilzentren inklusiv!

15. Juni 2022 von 15.00 bis 18.00 Uhr, eine Online-Veranstaltung der LV Selbsthilfe Berlin

Mit zwei Vorträgen und einem Praxisprojekt rund um Barrierefreiheit: Leichte und Einfache Sprache soll die Verständlichkeit von Inhalten verbessern. Wie sieht eine sinnvolle Plaung und Umsetzung aus? Auch Menschen mit Lese- und Schreibschwächen  - immerhin 6,2 Mio Erwachsene - profitieren von mehr Verständlichkeit. Wie diese Gruppe noch unterstützt werden kann z.B. mit dem alpha-Siegel  und wie ganze Einrichtungen barrierefrei werden - im Projekt Stadtteilzentren inklusiv! - stellen Ihnen die Exerpt:innen und ein:e Lerner-Experte vor.

Zur Online-Fortbildung



IM NÄCHSTEN NEWSLETTER

Alpha-Siegel und Leichte Sprache

NEU! Online Beratung auf der ADB-Homepage

Ab 29.06 bietet die ADB Beratung über Audio- oder Video-Konferenz oder Chat an!

Sie können sich vorher für einen der Termine anmelden oder während der Beratungs-Zeit per E-Mail anfragen, ob die Beraterin frei ist.

Dann schicken wir Ihnen den Link zu unserem Web-Meeting-System direkt zu.

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.diskriminierung-berlin.de/beratung/online-beratung

NEU! Online Beratung auf der ADB-Homepage

Ab 29.06 bietet die ADB Beratung über Audio- oder Video-Konferenz oder Chat an!

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Dann schicken wir Ihnen den Link zu unserem Web-Meeting-System direkt zu.

Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.diskriminierung-berlin.de/beratung/online-beratung




DIE ANTI-DISKRIMINIERUNGS-BERATUNG




ALTER

 

BEHINDERUNG

 

CHRONISCHE ERKRANKUNG

 

WWW.DISKRIMINIERUNG-BERLIN.DE




Impressum

Antidiskriminierungsberatung Alter, Behinderung, Chronische Erkrankung
Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e. V.
Littenstraße 108  | 10179 Berlin

Telefon: 030 / 27 59 25 25 | Telefax: 030 / 27 59 25 26 | adb (at) lv-selbsthilfe-berlin.de

Vertreten durch: Vorsitzende, Gerlinde Bendzuck | stellv. Vorsitzender, Daniel Fischer | Schatzmeister, Uwe Danker
Geschäftsführung: Malte Andersch

Vereinsregister: Amtsgericht Charlottenburg VR 6123 B
Redaktion: Gerlinde Bendzuck (verantwortlich gemäß § 10 Abs. 3 MDStV), Stefanie Ackermann, Anna Heidrich, Agnieszka Schwager
Gestaltung: Ute Lauzeningks

Haftungshinweis:
Es erfolgt zwar eine sorgfältige inhaltliche Kontrolle, jedoch übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links.

Wir sind gefördert durch die Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung.





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